Ich liebe Hafermilch. Vor allem im Kaffee. Zum Glück gibt’s mittlerweile in jedem Supermarkt mehrere Sorten für jeden Geschmack – und selbst die Discounter haben alle mindestens eine (Eigen-)Marke im Angebot. Natürlich gibt’s bei Hafermilch Qualitätsunterschiede. Mein Favorit war lange die Barista-Milch von Oatly (dicht gefolgt von Kölln Smelk).

Was mich an gekaufter Hafermilch stört, ist jedoch der Preis. Wie bei vielen veganen Produkten ist die pflanzliche Alternative einfach viel teurer als das tierische Produkt – was wirklich unlogisch ist, wenn man zum Beispiel bedenkt, was eine Packung Haferflocken kostet.

Es hat mich außerdem immer genervt, dass ich zwar Soja- und Mandelmilch sehr gut selbst hinbekomme, aber eben keine Hafermilch.

Also habe ich vor ungefähr zwei Jahren (ja, wirklich) angefangen, etwas zu experimentieren. Mit Haferkörnern, Haferflocken, einem Enzym, das normalerweise beim Bierbrauen verwendet wird, und mit Malz. Mein Ziel war es, eine Hafermilch selbst zu machen, die mit meinen Lieblingsmarken mithalten kann. Daher die Idee mit dem Enzym, die ich aus einem Forum hatte: Denn damit die Oatly zum Beispiel so lecker süß schmeckt, die Stärke im Hafer während des Herstellungsprozesses wohl in Zucker umgewandelt.

Und was soll ich sagen: Es war alles nicht so toll. Die ganzen Experimente waren unglaublich aufwendig, haben Zeit, Geld und Energie gekostet. Dafür waren die Ergebnisse nicht besonders lecker.

Das Problem mit dem Haferschleim

Das Problem an Hafer und vor allem an Haferflocken ist nämlich, dass aus ihnen innerhalb weniger Minuten eine schleimige Pampe entsteht, wenn man auch nur mit Wasser in ihre Nähe kommt. Ein Tropfen Wasser, einen Moment nicht hingeguckt – und aus knackigen Flocken wir matschiger Schleim. Das liegt an der enthaltenen Stärke und ist im Porridge lecker, aber nicht im Kaffee.

Das Enzym, das ich ausprobiert habe, hat diese Stärke in Zucker umgewandelt, weswegen die Milch süß wurde und nicht schleimte. Allerdings nur, wenn das Ganze exakt bei 60 ° eine Stunde lang erwärmt wurde, und naja, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich möchte ja nicht jede Woche eine Stunde lang ein Thermometer in einen Topf halten, nur um hin und wieder einen Kaffee mit Hafermilch zu trinken.

Wie also verhindern, dass Hafer schleimt, ohne daraus eine Wissenschaft zu machen?

Die Lösung ist ganz einfach, und ich wundere mich wirklich, dass ich nicht früher darauf gekommen bin.

Sie lautet: Geschwindigkeit.

Man muss einfach sehr schnell arbeiten und den Hafer möglichst bald wieder aus der Milch herauskriegen.

Bei diesem Rezept ist es daher sehr wichtig, dass ihr wirklich schnell arbeitet. Das könnt ihr folgendermaßen erreichen:

  • Messt alle Zutaten vorher ab und stellt sie bereit.
  • Sorgt auch dafür, dass der Mixer, mit dem ihr die Hafermilch herstellt, sofort einsatzfähig ist. Am besten messt ihr das Wasser direkt im Aufsatz des Mixers ab, wenn das damit möglich ist.
  • Denkt auch an das Sieben: Sieb und Schüssel, in die gesiebt wird, sowie ein Löffel zum Rühren müssen ebenfalls zur Hand sein.
  • Die Haferflocken gebt ihr zuletzt in den Mixer, dann kommt der Deckel drauf und danach müsst ihr sofort auf höchster Stufe mixen. (Habe ich gesagt, dass ihr schnell sein müsst?)
  • Auf keinen Fall länger als 30 Sekunden mixen und anschließend sofort ins Sieb mit dem Ganzen.

So siebst du deine Hafermilch

Ich selbst benutze zum Sieben einfach ein feines Haarsieb und siebe die Milch dann mehrfach. Theoretisch könnt ihr auch durch ein Tuch abseihen. Der Nachteil daran ist aber, dass die Hafermischung länger im Tuch stehenbleibt, weil die Poren viel feiner sind als die vom Sieb. Dadurch wird das Ergebnis wieder schleimiger. Außerdem habt ihr anschließend ein fieses schleimiges Tuch, das ihr waschen müsst, und das will man ja auch nicht unbedingt. Sieben reicht daher meiner Meinung nach völlig aus, auch wenn die Milch dann nicht perfekt fein ist.

Wenn ihr das alles beachtet, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Mittlerweile trinke ich nur noch diese Hafermilch im Kaffee. Sie lässt sich sogar aufschäumen (dafür ist das Öl drin, denn nur mit entsprechendem Fettanteil schäumt der Haferdrink) und ist sehr schön sämig, aber nicht schleimig.

Da sich die festen Bestandteile der Milch im Kühlschrank absetzen, müsst ihr die Flasche immer ein bisschen schütteln, bevor ihr die Milch verwendet. Am besten lasst ihr sie dann noch ein paar Sekunden stehen, damit sich die gröberen Teile wieder absetzen.

Zum Backen eignet die Hafermilch sich leider nicht so gut. Dafür nehme ich eher Soja- oder Mandelmilch.

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Hafermilch aus Haferflocken

Vorbereitungszeit3 Min.
Zubereitungszeit2 Min.

Equipment

  • guter Mixer
  • Schüssel
  • Sieb
  • leere Flaschen

Zutaten

  • 1,5 Liter Wasser
  • 150 g Haferflocken (zart)
  • 3-4 Datteln optional
  • 20 ml Sonnenblumenöl

Anleitungen

  • Wasser, Datteln, Öl und Haferflocken im Mixer für maximal 30 Sekunden auf höchster Stufe mixen.
  • Sofort durch das Sieb geben. Mit einem Löffel vorsichtig rühren, um die Milch schneller abzuseihen. Den Rest aufheben – man kann ihn wie Porridge essen.
  • Noch ein bis zwei Mal sieben, bis nicht mehr viel Hafer zurückbleibt.
  • Fertige Hafermilch in Flaschen abfüllen und kalt stellen. Hält im Kühlschrank mehrere Tage.